Differenzierte Diagnostik und Behandlung
Differenzierte Diagnostik und Behandlung
Psychische Störungen sind vielschichtig. Komorbiditäten, Begleit- oder Folgeerkrankungen erfordern ebenso differenzierte Diagnostik und Behandlung wie die Zuweisungsdiagnose. Sie sind Bestandteil einer fundierten Therapie. Erforderliche Massnahmen – auch Priorisierung von Behandlungsbedarf – legen wir in der zielorientierten Behandlungsplanung fest. Dank der Expertise unserer Fachpersonen in der Trauma-Therapie sowie in der Behandlung von dissoziativen Störungen, werden diese spezifischen Erkrankungen kompetent angegangen, um eine nachhaltige Genesung zu ermöglichen.
Ein psychisches Trauma ist bedingt durch ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten. Dieses Erlebnis geht einher mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzlosem Ausgeliefertsein und bewirkt so eine dauerhafte Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses. Die Symptome, die bei einer Traumafolgestörung auftreten können, dienen grundsätzlich der Verarbeitung überwältigender traumatischer Erlebnisse oder können als eine Art Schutzfunktion des Gehirns betrachtet werden. Wesentliche Symptome sind
Inzwischen ist wissenschaftlich erwiesen, dass traumatisch bedingte Belastungen Auswirkungen bis auf Zellebene haben, über Generationen weiterwirken können durch transgenerationelle Weitergabe. Zudem ist bei den Betroffenen das Risiko höher, psychisch zu erkranken. Oft suchen Betroffene wegen Depressionen, Ängsten oder Abhängigkeitserkrankungen Behandlungen auf, und im Therapieverlauf werden für die Krankheitsentwicklung relevante Traumatisierungen festgestellt. Auch für viele körperliche Erkrankungen wie Diabetes, Hypertonie oder gastroenterologische Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen und Schmerzstörungen ergeben sich Anhaltspunkte für einen Zusammenhang mit Traumabelastungen.
Die traumaspezifische Behandlung ist in drei Phasen aufgeteilt und hat das Ziel, einerseits eine psychische Stabilisierung und Aktivierung von Ressourcen zu fördern. Andererseits dient sie der Verarbeitung der traumatischen Erfahrung und in einem weiteren Schritt der Integration dieser Erfahrung in die individuelle Lebensgeschichte, so dass ihre dysfunktionale Abspaltung aufgelöst wird und damit eine Befreiung von den traumatisch bedingten Beeinträchtigungen im Erleben des Hier und Jetzt stattfinden kann.
Die Indikation zur traumaspezifischen Behandlung stellen die ambulanten Behandler. In einem traumaspezifischen Vorgespräch in unserer Klinik mit einer traumatherapeutisch ausgebildeten Fachperson wird geklärt, ob eine Behandlung in unserem traumaspezifischen Setting möglich und sinnvoll ist.
Die traumaspezifische Behandlung beinhaltet spezifische Therapieangebote, ist aber zugleich integriert in unser störungsübergreifendes Therapieprogramm. Dies verhindert eine zu tiefe Identifikation mit Merkmalen einer Traumabelastung, erfordert andererseits aber auch eine gewisse Stabilität der betroffenen Patientinnen und Patienten. Behandlungsmodule sind Einzeltherapie durch Fachärztinnen oder –psychologinnen des «Traumateams», Teilnahme an einer kontinuierlich, einmal pro Woche stattfindenden Gruppe «Resilienz», die Psychoedukation und Austausch unter den Teilnehmenden fördert.
Hinzu kommen spezialtherapeutische Angebote wie Mal- oder Bewegungs-/Körpertherapie, Begleitung des therapeutischen Prozesses durch geschulte Pflegefachpersonen und Teilnahme an weiteren Therapiemodulen wie zum Beispiel Spannungsregulation, Sportangebote und Gestaltungstherapie.
Besonders geeignet ist unser Behandlungskonzept für:
Somatoforme und funktionelle Störungen werden nach der neuen internationalen Klassifikation (ICD 11) als Körperstressstörungen zusammengefasst und bezeichnet. Ihnen liegt einheitlich zugrunde, dass sich psychische Belastungen (Stress) primär über körperliche Symptome zeigen. Die multimodale Behandlung beinhaltet deshalb neben einer sorgfältigen Aufklärung über das Krankheitsbild einen besseren, gesünderen Umgang mit Stress sowie eine verbesserte Körperwahrnehmung.
Dissoziative Störungen können als Reaktion auf schwierige Erlebnisse auftreten. Sie zeigen sich oft begleitend zu anderen psychischen Störungen, z. B. posttraumatischen Belastungsstörungen. Betroffene versuchen zu ihrem eigenen Schutz, ihre Erinnerungen an Belastendes auszublenden und damit psychischen Stress zu reduzieren. Das stabile Bild der eigenen Identität ist dadurch häufig beeinträchtigt.
Die Behandlung erfolgt im Rahmen einer Psychotherapie mit dem Ziel, das «Ich» wieder als Einheit von Gedanken, Handlungen und Gefühlen zu erleben und zu stärken. Wir klären Sie sorgfältig über das Krankheitsbild der dissoziativen Störung auf. Sie lernen im Rahmen der multimodalen Behandlung, Ihre individuellen dissoziativen Symptome rechtzeitig zu erkennen und sinnvoll darauf zu reagieren.